Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
Kälte & Flüssigkeit: Trinken in der Eishalle
- Kernproblem
- Kälte dämpft den Durst
- Studie
- bis zu 40 % weniger Durst bei 4 °C
- Strategie
- feste Trinkzeiten
- Getränke
- Wasser, Schorle, bei langen Belastungen Sportgetränk
Warum Kälte den Durst dämpft
Robert Kenefick und Kollegen ließen Probanden bei 4 °C und bei 27 °C gehen und stehen – mal gut mit Flüssigkeit versorgt, mal mit Flüssigkeitsdefizit. Das Ergebnis, veröffentlicht 2004 in Medicine & Science in Sports & Exercise: In der Kälte war das Durstgefühl um bis zu 40 Prozent geringer, in Ruhe wie bei moderater Belastung. Die Autoren erklären das mit der Verengung der Blutgefäße in der Kälte: Mehr Blut sammelt sich in der Körpermitte, und Rezeptoren melden dem Gehirn scheinbar ausreichend Volumen. Sie folgern, dass gedämpfter Durst in der Kälte das Risiko für Flüssigkeitsmangel weiter erhöhen kann.
Eine Eishalle ist meist wärmer als 4 °C, und Eishockey ist keine Gehstrecke. Die Studie zeigt aber den Mechanismus, den viele Spieler kennen: Man hat das Gefühl, kaum etwas zu brauchen.
Schweiß, den man nicht sieht
Unter Helm, Schonern und Trikot wird es warm, der Schweiß verdunstet kaum und bleibt im Material. Swiss Ice Hockey beschrieb für Spieler der Nationalmannschaften Schweißverluste von bis zu zwei Litern pro Stunde und wies darauf hin, dass der Darm nur begrenzt Flüssigkeit pro Stunde aufnehmen kann. Daraus folgt: gut versorgt in Training und Spiel starten, unterwegs regelmäßig trinken und danach weiter trinken. Für Hobby- und Nachwuchsspieler sind die Mengen meist kleiner, das Muster bleibt dasselbe.
Trinken nach Rhythmus statt nach Gefühl
Die Deutsche Eislauf-Union gibt für den Eiskunstlauf vier einfache Regeln: das Trinkverhalten ritualisieren, sich vom Durst leiten lassen, nicht über das Durstempfinden hinaus trinken und lieber mehrfach kleine Mengen als viel auf einmal. Im Eissport heißt Ritualisieren konkret: vor dem Aufwärmen trinken, in jeder Pause trinken, nach dem Training trinken. Die eigene Flasche an der Bande oder in der Tasche macht es leicht.
Kälte dämpft Durst
In der Kälte meldet sich der Durst später – in einer Studie bei 4 °C um bis zu 40 % schwächer.
Schweiß bleibt unbemerkt
Unter Ausrüstung und Kleidung schwitzt man auch in der kalten Halle.
Rhythmus statt Gefühl
Feste Trinkzeiten: vorher, in jeder Pause, danach.
Hake an, was auf dich zutrifft – du bekommst passende Tipps.
Kein Test für Flüssigkeitsmangel. Bei Schwindel, Kopfschmerzen oder Unwohlsein Training unterbrechen und Betreuer oder Arzt ansprechen.
Welche Getränke passen?
- Wasser und Saftschorle für Training und kurze Einheiten
- ungesüßter Tee, gern warm, wenn man in der Halle friert
- Getränke mit Kohlenhydraten und Natrium bei langen, intensiven Belastungen mit viel Schweiß; die DEU nennt etwa Fruchtsaftschorlen im Verhältnis eins zu zwei
- nach der Belastung zusätzlich etwas mit Kohlenhydraten und Eiweiß, etwa Kakao oder Milch
Energydrinks und Alkohol gehören nicht in die Sporttasche; die DEU rät, Alkohol zu vermeiden. Bei Kopfschmerzen, Schwindel oder Unwohlsein gilt: Pause, Betreuer informieren, im Zweifel ärztlich abklären lassen.
Häufige Fragen
+Warum habe ich in der Eishalle weniger Durst?
Kälte verengt die Blutgefäße in Haut und Gliedmaßen. Dadurch verschiebt sich Blut in die Körpermitte, und der Körper meldet weniger Durst. In der Studie von Kenefick und Kollegen war der Durst bei 4 °C um bis zu 40 Prozent geringer.
+Wie viel soll ich trinken?
Eine feste Menge für alle gibt es nicht. Wichtig sind feste Trinkzeiten vor, während und nach dem Training. Die DEU rät, nicht zu viel auf einmal zu trinken, sondern mehrfach kleinere Mengen.
+Sind Sportgetränke nötig?
Für kurze Trainingseinheiten reichen Wasser oder Saftschorle. Bei langen, intensiven Belastungen mit viel Schweiß können Getränke mit Kohlenhydraten und Natrium sinnvoll sein; die DEU nennt dafür zum Beispiel Fruchtsaftschorlen.
+Kann man auch zu viel trinken?
Ja. Die DEU rät ausdrücklich, nicht über das Durstempfinden hinaus zu trinken und große Mengen auf einmal zu vermeiden. Ziel ist ein regelmäßiger Rhythmus, nicht möglichst viel.
Quellen & weiterführende Links
- Kenefick et al. 2004: Thirst sensations and AVP responses during exercise-cold exposure (PubMed)
- Swiss Ice Hockey: Ernährung und Supplemente für Nationalmannschaften (Version 2008, PDF)
- Deutsche Eislauf-Union: Handzettel Ernährung vor, während und nach dem Wettkampf (2021, PDF)
- ACSM, Academy of Nutrition and Dietetics, Dietitians of Canada: Nutrition and Athletic Performance (2016, PubMed)
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