Wissen & Technik

    Ernährung im Eissport

    Eissport stellt besondere Anforderungen an Essen und Trinken: kurze, harte Belastungen, lange Wettkampftage und kalte Hallen, in denen sich der Durst später meldet. Hier findest du die Grundlagen, einen Spieltagsplaner und Antworten auf häufige Mythen.

    3 Min. Lesezeit Stand: IceHub Redaktion

    Inhaltsverzeichnis
    1. Warum Ernährung im Eissport besonders ist
    2. Was jede Sportart verlangt
    3. Der Spieltag in vier Zeitfenstern
    4. Mythen vs. Fakten
    5. Trink-Check: Durst ist in der Halle ein schlechter Ratgeber
    6. Die Artikel dieser Rubrik
    7. Wo es individuelle Hilfe gibt
    8. Ernährung im Eissport: alle Lexikon-Einträge
    9. Häufige Fragen
    10. Quellen

    Steckbrief

    Ernährung im Eissport

    Bereich
    Ernährung im Eissport
    Für wen
    Spieler, Eltern, Trainer
    Werkzeuge
    Spieltagsplaner, Trink-Check
    Status
    Fachliche Prüfung ausstehend

    Warum Ernährung im Eissport besonders ist

    Eissport verbindet drei Dinge, die es so selten zusammen gibt: sehr intensive, kurze Belastungen, lange Tage in der Halle und Kälte. Ein Eishockeyspieler sprintet in kurzen Wechseln, sitzt dazwischen auf der Bank und schwitzt unter seiner Ausrüstung, während die Luft um ihn herum kalt ist. Eine Eiskunstläuferin wartet oft lange auf ihren Auftritt, der dann nur wenige Minuten dauert, aber volle Konzentration verlangt. Curler stehen stundenlang auf dem Eis. Daraus ergeben sich typische Fragen: Wann esse ich vor dem Spiel? Was trinke ich, wenn ich gar keinen Durst habe? Und was ist dran an Mythen aus der Kabine?

    Diese Rubrik beantwortet solche Fragen allgemein und mit Quellen. Grundlage sind unter anderem Empfehlungen von Swiss Ice Hockey und der Deutschen Eislauf-Union, Konsenspapiere des Internationalen Olympischen Komitees und Positionspapiere internationaler Fachgesellschaften. Persönliche Mengen, Kalorien- oder Gewichtsziele gibt es hier bewusst nicht.

    Was jede Sportart verlangt

    Die Sportarten unterscheiden sich stark: im Rhythmus der Belastung, in der Zeit, die man in der Kälte verbringt, und in der Länge eines Wettkampftags. Die Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede und worauf es beim Essen und Trinken jeweils ankommt.

    • EishockeyEnergiebedarf im Wettkampf: Energie hoch

      3 × 20 Minuten Spielzeit plus Pausen

      Kurze, sehr intensive Wechsel mit Pausen auf der Bank
      Kalte Halle, warm unter der Ausrüstung – viel Schweiß
      Spieltag inkl. Pausen meist mehrere Stunden

      → Kohlenhydrate vor dem Spiel, Trinken in jeder Drittelpause

    • EiskunstlaufEnergiebedarf im Wettkampf: Energie mittel

      Programme von wenigen Minuten, Wettbewerbe oft über mehrere Tage

      Kurze, sehr hohe Belastung mit Sprüngen
      Lange Wartezeiten in der Halle, dünne Kleidung
      Viel Trainingszeit, kurze Wettkampfauftritte

      → Genug Energie im Alltag, Snacks für lange Wettkampftage

    • EisschnelllaufEnergiebedarf im Wettkampf: Energie hoch

      Distanzen von 500 m bis 10.000 m

      Sprint bis Langstrecke – je nach Distanz
      Große Hallen oder Natureis im Freien
      Mehrere Rennen über ein Wochenende

      → Kohlenhydrate je nach Distanz, warm bleiben zwischen Starts

    • ShorttrackEnergiebedarf im Wettkampf: Energie mittel

      500 m, 1000 m, 1500 m und Staffeln

      Kurze Läufe, mehrere Runden (Vorläufe bis Finale) am Tag
      Kalte Halle, lange Wartezeiten
      Wettkampftage mit mehreren Starts

      → Kleine Snacks zwischen den Läufen, regelmäßig trinken

    • CurlingEnergiebedarf im Wettkampf: Energie niedrig

      8 oder 10 Ends pro Spiel

      Lange, moderate Belastung mit kurzen Wischphasen
      Lange Zeit auf kaltem Eis
      Ein Spiel dauert mehrere Stunden, oft mehrere Spiele am Tag

      → Konzentration halten: Snacks und Getränke über den Tag verteilen

    Energiebedarf: qualitative Einschätzung der Redaktion für den Wettkampf, kein persönlicher Wert. Der Bedarf hängt von Alter, Training und Position ab.

    Der Spieltag in vier Zeitfenstern

    Die meisten Fehler passieren nicht beim Was, sondern beim Wann. Swiss Ice Hockey nennt für Spieltage ein einfaches Muster: Die letzte große Mahlzeit liegt drei bis vier Stunden vor dem Spiel, ein bis zwei Stunden vorher gibt es nur noch leicht verdauliche Kohlenhydrate und Flüssigkeit, in den Pausen wird getrunken, und nach dem Spiel helfen Kohlenhydrate und etwas Eiweiß bei der Erholung. Den passenden Zeitplan für deine Anspielzeit oder deinen Turniertag erstellt der Spieltagsplaner.

    Mythen vs. Fakten

    In Kabinen und Elternchats halten sich manche Weisheiten hartnäckig. Dreh die Karten um und vergleiche mit dem, was die Quellen sagen.

    Trink-Check: Durst ist in der Halle ein schlechter Ratgeber

    In der Kälte meldet sich der Durst später. Gleichzeitig verliert man unter Helm, Handschuhen und Schonern Flüssigkeit über den Schweiß. Swiss Ice Hockey beschreibt für Nationalspieler Schweißverluste von bis zu zwei Litern pro Stunde. Für Hobby- und Nachwuchsspieler sind die Mengen meist kleiner, das Prinzip bleibt: lieber nach festen Zeiten trinken als nach Gefühl. Mehr dazu im Artikel Kälte & Flüssigkeit.

    Kälte dämpft Durst

    In der Kälte meldet sich der Durst später – in einer Studie bei 4 °C um bis zu 40 % schwächer.

    Schweiß bleibt unbemerkt

    Unter Ausrüstung und Kleidung schwitzt man auch in der kalten Halle.

    Rhythmus statt Gefühl

    Feste Trinkzeiten: vorher, in jeder Pause, danach.

    Dein Trink-Check: Was trifft auf dich zu?

    Hake an, was auf dich zutrifft – du bekommst passende Tipps.

    Kein Test für Flüssigkeitsmangel. Bei Schwindel, Kopfschmerzen oder Unwohlsein Training unterbrechen und Betreuer oder Arzt ansprechen.

    Die Artikel dieser Rubrik

    Wo es individuelle Hilfe gibt

    Für eine persönliche Beratung sind Sportärzte sowie qualifizierte Ernährungsfachkräfte die richtige Adresse. Allgemeine Empfehlungen zur ausgewogenen Ernährung veröffentlicht die Deutsche Gesellschaft für Ernährung; in der Schweiz informiert die Swiss Sports Nutrition Society speziell zur Sporternährung. Fragen zu Nahrungsergänzungsmitteln und Doping beantwortet die NADA.

    Ernährung im Eissport: alle Lexikon-Einträge

    Häufige Fragen

    +Brauche ich als Hobbyspieler einen Ernährungsplan?

    Meist nicht. Regelmäßige Mahlzeiten, eine kohlenhydratbetonte Mahlzeit einige Stunden vor dem Spiel und feste Trinkzeiten reichen für die meisten. Einen individuellen Plan erstellt eine qualifizierte Ernährungsfachkraft.

    +Gibt es hier Kalorien- oder Gewichtsziele?

    Nein, bewusst nicht. Energie- und Nährstoffbedarf sind sehr individuell. Für persönliche Ziele ist eine Beratung durch Sportarzt oder Ernährungsfachkraft der richtige Weg.

    +Empfiehlt IceHub Nahrungsergänzungsmittel?

    Nein. Laut Deutscher Eislauf-Union sind Supplemente in der Regel überflüssig, und das IOC warnt vor verunreinigten Produkten. Wer im Leistungssport darüber nachdenkt, sollte das ärztlich abklären und sich bei der NADA informieren.

    +Wer hat diese Inhalte geprüft?

    Die Texte sind redaktionell auf Basis von Verbands- und Fachquellen recherchiert. Die fachliche Prüfung durch eine Ernährungsfachkraft steht noch aus und wird oben auf jeder Seite angezeigt, sobald sie erfolgt ist.

    Quellen & weiterführende Links

    1. Swiss Ice Hockey: Ernährung und Supplemente für Nationalmannschaften (Version 2008, PDF)
    2. Deutsche Eislauf-Union: Handzettel Ernährung vor, während und nach dem Wettkampf (2021, PDF)
    3. Kenefick et al. 2004: Thirst sensations and AVP responses during exercise-cold exposure (PubMed)
    4. IOC-Konsensus 2023 zu REDs (Mountjoy et al., BJSM, PDF)
    5. IOC-Konsensus 2018: Dietary supplements and the high-performance athlete (PubMed)
    6. ACSM, Academy of Nutrition and Dietetics, Dietitians of Canada: Nutrition and Athletic Performance (2016, PubMed)
    7. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)
    8. Swiss Sports Nutrition Society (SSNS)
    9. Nationale Anti Doping Agentur Deutschland (NADA)

    Redaktionell recherchiert und gegen Verbands- und Regelwerksangaben geprüft. Fehler gefunden? Schreib uns über die Kontaktseite.

    Weiterlesen im Lexikon