Hintergrund · Ernährung im Eissport

    Ernährung im Eiskunstlauf

    Im Eiskunstlauf zählen Kraft, Koordination und Konzentration in kurzen Programmen – oft nach langen Wartezeiten. Genug Energie im Alltag ist dafür die Grundlage. Ein dauerhaftes Energiedefizit schadet Gesundheit und Leistung (REDs) und gehört in fachliche Hände.

    4 Min. Lesezeit Stand: IceHub Redaktion

    Inhaltsverzeichnis
    1. Kurze Programme, lange Tage
    2. Grundlagen laut Deutscher Eislauf-Union
    3. Energieverfügbarkeit und REDs
    4. Warnzeichen, auf die Umfeld und Trainer achten können
    5. Hier gibt es Hilfe
    6. Wettkampftag praktisch
    7. Häufige Fragen
    8. Quellen

    Steckbrief

    Ernährung im Eiskunstlauf

    Wettkämpfe
    oft über mehrere Tage
    Programme
    Kurzprogramm und Kür, je wenige Minuten
    Risiko
    Ästhetische Sportart: REDs beachten
    Hilfe DE
    BZgA-Info-Telefon 0221 892031

    Kurze Programme, lange Tage

    Kurzprogramm und Kür dauern jeweils nur wenige Minuten, verlangen aber Sprünge, Pirouetten und höchste Präzision. Davor liegen oft Stunden in der kalten Halle: Einlaufen, Warten, Aufwärmen, wieder Warten. Die Deutsche Eislauf-Union weist darauf hin, dass Eiskunstlaufwettbewerbe zwei bis vier Tage dauern können. Gerade dann zählt, nur bewährte, gut verträgliche Lebensmittel zu essen und Mahlzeiten nicht dem Zufall zu überlassen.

    Grundlagen laut Deutscher Eislauf-Union

    Der Handzettel der Deutschen Eislauf-Union für Training und Wettkampf (2021) setzt auf eine vielseitige, ausgewogene Basiskost. Die wichtigsten Punkte:

    • Energie decken: Ein längerfristiges Energiedefizit soll vermieden werden, weil es Leistung, Trainingsanpassung, Konzentration, Knochengesundheit und Immunsystem beeinträchtigt.
    • Trinken: Getränke im Training testen, nicht erst am Wettkampftag; lieber mehrmals kleine Mengen als viel auf einmal.
    • Kohlenhydrate: vor und eventuell während intensiver Belastungen; leicht verdauliche Beispiele vor dem Auftritt sind Banane, Weißbrot, Milchreis oder Fruchtschorle.
    • Nach der Belastung: Kohlenhydrate und Eiweiß zügig, besonders zwischen Kurzprogramm und Kür.
    • Supplemente: in der Regel überflüssig; Mikronährstoffe bei Bedarf gezielt und in Absprache mit dem Arzt.

    Energieverfügbarkeit und REDs

    Im Eiskunstlauf spielt das Aussehen auf dem Eis eine Rolle. Das macht die Sportart anfällig dafür, dass Athleten zu wenig essen. Die Gynäkologin Sabrina Baumgartner zählt Eiskunstlaufen in einem Übersichtsartikel ausdrücklich zu den Sportarten mit Schwerpunkt auf Ästhetik, die für eine niedrige Energieverfügbarkeit gefährdet sind.

    Das Internationale Olympische Komitee beschreibt dieses Problem als REDs (Relative Energy Deficiency in Sport). Laut Konsensuspapier von 2023 entsteht REDs, wenn über längere Zeit oder in starkem Ausmaß zu wenig Energie im Verhältnis zum Trainingsaufwand zur Verfügung steht. Betroffen sein können Frauen und Männer. Die Folgen reichen von Hormon- und Zyklusstörungen über eine geringere Knochendichte und mehr Infekte bis zu psychischen Belastungen und schlechterer Leistung. Eine niedrige Energieverfügbarkeit kann mit einer Essstörung zusammenhängen, muss es aber nicht – sie kann auch unbeabsichtigt entstehen, etwa bei viel Training und zu kleinen Mahlzeiten.

    Wichtig: Diagnose und Behandlung gehören in ärztliche Hände. Das IOC hat dafür ein ärztlich geleitetes Bewertungsinstrument (REDs CAT2) entwickelt; Baumgartner empfiehlt ein interdisziplinäres Team aus Sportmedizin, Sporternährungsberatung und gegebenenfalls Psychotherapie.

    Warnzeichen, auf die Umfeld und Trainer achten können

    • ausbleibende, seltene oder unregelmäßige Menstruation
    • häufige Verletzungen oder Ermüdungsbrüche
    • häufige Infekte, anhaltende Müdigkeit, Leistungsstillstand oder Leistungseinbruch
    • Konzentrationsprobleme, Gereiztheit, Rückzug
    • ausgelassene Mahlzeiten, sehr strenge Essensregeln, Essen in Gesellschaft vermeiden
    • starke Beschäftigung mit Gewicht und Figur, auffällige Gewichtsveränderungen

    Solche Zeichen sind keine Diagnose. Sie sind ein Anlass für ein ruhiges, vertrauliches Gespräch ohne Vorwürfe – und dafür, ärztliche Hilfe einzubeziehen. Kommentare über Gewicht und Figur haben im Training keinen Platz.

    Hier gibt es Hilfe

    Wettkampftag praktisch

    Am Wettkampftag helfen dieselben Zeitfenster wie in anderen Eissportarten: eine gewohnte Mahlzeit einige Stunden vor dem Auftritt, kleine Snacks in den Wartezeiten, regelmäßig trinken und nach dem Auftritt zügig essen. Den Zeitplan für deine Startzeit berechnet der Spieltagsplaner. Wie es um junge Läufer steht, beschreibt der Artikel Kinder & Jugendliche; mehr zur Sportart steht unter Eiskunstlauf.

    Häufige Fragen

    +Was esse ich zwischen Kurzprogramm und Kür?

    Die Deutsche Eislauf-Union betont, dass nach dem Kurzprogramm die Kohlenhydratspeicher wieder aufgefüllt werden sollten. Bewährt sind normale, gut verträgliche Mahlzeiten und Snacks, die im Training schon ausprobiert wurden.

    +Was ist REDs?

    REDs steht für Relative Energy Deficiency in Sport, also ein relatives Energiedefizit. Laut IOC-Konsensus 2023 entsteht es, wenn über längere Zeit zu wenig Energie für Training und Körperfunktionen zur Verfügung steht. Es betrifft Frauen und Männer und kann Hormone, Knochen, Immunsystem, Psyche und Leistung beeinträchtigen.

    +Woran erkenne ich, dass jemand Hilfe braucht?

    Mögliche Warnzeichen sind ausbleibende oder unregelmäßige Menstruation, häufige Verletzungen oder Ermüdungsbrüche, ständige Infekte, Leistungseinbruch, starke Beschäftigung mit Gewicht und Figur oder ausgelassene Mahlzeiten. Dann ein vertrauliches Gespräch suchen und ärztliche Hilfe einbeziehen.

    +Wo gibt es Hilfe bei Essstörungen?

    In Deutschland beim Info-Telefon der BZgA (0221 892031) und bei ANAD, in Österreich bei der Hotline für Essstörungen (0800 20 11 20) und in der Schweiz bei der AES (043 488 63 73) sowie für Kinder und Jugendliche bei Pro Juventute (147). Im Notfall 112 bzw. in der Schweiz 144.

    Quellen & weiterführende Links

    1. Deutsche Eislauf-Union: Handzettel Ernährung vor, während und nach dem Wettkampf (2021, PDF)
    2. IOC-Konsensus 2023 zu REDs (Mountjoy et al., BJSM, PDF)
    3. PubMed: 2023 IOC consensus statement on REDs
    4. Baumgartner 2021: Management der female athlete triad/RED-S (Springer, Open Access)
    5. ACSM, Academy of Nutrition and Dietetics, Dietitians of Canada: Nutrition and Athletic Performance (2016, PubMed)
    6. IOC-Konsensus 2018: Dietary supplements and the high-performance athlete (PubMed)
    7. BZgA: Essstörungen – Information und Beratung
    8. ANAD e.V. – Versorgungszentrum Essstörungen
    9. Hotline für Essstörungen (Österreich)
    10. AES – Arbeitsgemeinschaft Ess-Störungen (Schweiz)
    11. Pro Juventute 147 (Schweiz)

    Redaktionell recherchiert und gegen Verbands- und Regelwerksangaben geprüft. Fehler gefunden? Schreib uns über die Kontaktseite.

    Weiterlesen im Lexikon