Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
Ernährung für Kinder & Jugendliche im Eissport
- Basis
- Regelmäßige, ausgewogene Mahlzeiten
- Rund ums Training
- Snack vorher, Essen danach
- Trinken
- feste Trinkzeiten, eigene Flasche
- Supplemente
- nicht empfohlen
Wachsen und trainieren zugleich
Kinder und Jugendliche im Eissport haben einen doppelten Bedarf: Sie wachsen und entwickeln sich, und sie trainieren oft mehrmals pro Woche, häufig spät am Nachmittag oder am Abend. Hinzu kommen Fahrten zur Halle, Schule und Hausaufgaben. Das größte Risiko ist deshalb selten die falsche Zusammensetzung, sondern zu lange Pausen ohne Essen und zu wenig Trinken.
Grundlage ist eine abwechslungsreiche Familienkost, wie sie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung für den Alltag beschreibt: Getreideprodukte und Kartoffeln, viel Gemüse und Obst, Milchprodukte, dazu Fisch, Fleisch, Eier oder Hülsenfrüchte und Wasser als Hauptgetränk.
Rund ums Training
- Davor: eine normale Mahlzeit einige Stunden vorher und ein kleiner Snack ein bis zwei Stunden vorher, zum Beispiel ein Brot mit Honig, eine Banane oder ein Joghurt.
- Währenddessen: eine eigene, beschriftete Trinkflasche an der Bande; in jeder Pause ein paar Schlucke.
- Danach: bald etwas essen, besonders wenn der Heimweg lang ist – Kakao, Obst, ein belegtes Brot oder das Abendessen zu Hause.
An Turnier- und Wettkampftagen hilft der Spieltagsplaner, Mahlzeiten und Snacks um die Spielzeiten zu legen. Wie man in der kalten Halle ans Trinken denkt, steht unter Kälte & Flüssigkeit.
Keine Supplemente im Nachwuchs
Das Positionspapier von ACSM, Academy of Nutrition and Dietetics und Dietitians of Canada stellt klar, dass Supplemente bei jungen Athleten nicht gerechtfertigt sind; Fortschritte kommen über Wachstum, Reifung und einen durchdachten Ernährungsplan. Das IOC weist zudem auf das Risiko verunreinigter Produkte hin. Auch die Deutsche Eislauf-Union hält Supplemente in der Regel für überflüssig. Deshalb gibt es in dieser Rubrik keine Produktempfehlungen. Bei Verdacht auf einen Mangel, etwa an Eisen oder Vitamin D, gehört die Abklärung in die Kinder- oder Sportarztpraxis.
Ein gutes Umfeld schaffen
Trainer, Eltern und Teamkollegen beeinflussen, wie Kinder über Essen und ihren Körper denken. Hilfreich ist, über Energie für das Training zu sprechen statt über Gewicht oder Figur, gemeinsame Mahlzeiten nach Turnieren einzuplanen und keine Kommentare über Körper zu machen. Besonders in Sportarten mit Blick auf das Aussehen, etwa im Eiskunstlauf, ist das wichtig: Ein dauerhaftes Energiedefizit kann die Entwicklung beeinträchtigen.
Wann ärztlicher Rat nötig ist
Ein Gespräch mit Kinderarzt ist sinnvoll bei anhaltender Müdigkeit, häufigen Infekten oder Verletzungen, deutlichen Gewichtsveränderungen, bei Mädchen beim Ausbleiben oder Unregelmäßigwerden der Periode und wenn sich das Essverhalten auffällig verändert. Beratung zu Essstörungen bieten in Deutschland die BZgA (Info-Telefon 0221 892031) und in der Schweiz für Kinder und Jugendliche Pro Juventute unter 147; weitere Stellen für Österreich und die Schweiz nennt der Artikel Ernährung im Eiskunstlauf.
Häufige Fragen
+Braucht mein Kind Proteinpulver oder Vitamine?
In aller Regel nicht. Fachgesellschaften halten Supplemente bei jungen Sportlern nicht für gerechtfertigt. Liegt ein Mangel vor, etwa an Eisen oder Vitamin D, entscheidet der Kinder- oder Sportarzt über die Behandlung.
+Was gebe ich meinem Kind vor dem Abendtraining?
Eine normale Mahlzeit am Mittag oder Nachmittag und ein bis zwei Stunden vor dem Training einen kleinen, gut verträglichen Snack, zum Beispiel ein Brot mit Honig, Obst oder Joghurt. Dazu eine eigene Trinkflasche.
+Mein Kind hat nach dem Training keinen Hunger. Ist das schlimm?
Gelegentlich nicht. Ein kleiner Snack oder ein Glas Milch oder Kakao hilft bei der Erholung. Hält Appetitlosigkeit an oder verändert sich das Essverhalten stark, ist ein Gespräch mit Kinderarzt sinnvoll.
+Wo finde ich allgemeine Empfehlungen für Kinder?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung veröffentlicht Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung im Alltag. Für sportartspezifische Fragen helfen Verbands- und Vereinsärzte.
Quellen & weiterführende Links
- ACSM, Academy of Nutrition and Dietetics, Dietitians of Canada: Nutrition and Athletic Performance (2016, PubMed)
- IOC-Konsensus 2018: Dietary supplements and the high-performance athlete (PubMed)
- Deutsche Eislauf-Union: Handzettel Ernährung vor, während und nach dem Wettkampf (2021, PDF)
- Swiss Ice Hockey: Ernährung und Supplemente für Nationalmannschaften (Version 2008, PDF)
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)
- Swiss Sports Nutrition Society (SSNS)
- Baumgartner 2021: Management der female athlete triad/RED-S (Springer, Open Access)
- BZgA: Essstörungen – Information und Beratung
- Pro Juventute 147 (Schweiz)
Redaktionell recherchiert und gegen Verbands- und Regelwerksangaben geprüft. Fehler gefunden? Schreib uns über die Kontaktseite.
Weiterlesen im Lexikon
Hintergrund
Spieltag & Turniertag: Essen und Trinken nach Plan
Wann esse ich vor dem Spiel, und was mache ich zwischen zwei Turnierspielen? Der Spieltagsplaner rechnet die bewährten Zeitfenster für deine Startzeit aus – ohne Gewicht, ohne Kalorien, mit Beispielen zum Mitnehmen.
Hintergrund
Kälte & Flüssigkeit: Trinken in der Eishalle
In der Kälte meldet sich der Durst später – Studien zeigen ein um bis zu 40 Prozent schwächeres Durstgefühl bei 4 °C. Unter Ausrüstung und Kleidung schwitzt man trotzdem. Feste Trinkzeiten sind deshalb im Eissport verlässlicher als das Gefühl.
Hintergrund
Ernährung im Eiskunstlauf
Im Eiskunstlauf zählen Kraft, Koordination und Konzentration in kurzen Programmen – oft nach langen Wartezeiten. Genug Energie im Alltag ist dafür die Grundlage. Ein dauerhaftes Energiedefizit schadet Gesundheit und Leistung (REDs) und gehört in fachliche Hände.
Hintergrund
Ernährung im Eishockey
Eishockey ist ein Sport kurzer, sehr intensiver Wechsel. Gefüllte Kohlenhydratspeicher, feste Trinkzeiten auch in der kalten Halle und eine zügige Erholung nach dem Spiel sind die wichtigsten Stellschrauben – nicht Pulver und Pillen.
Hintergrund
Ernährung im Eissport
Eissport stellt besondere Anforderungen an Essen und Trinken: kurze, harte Belastungen, lange Wettkampftage und kalte Hallen, in denen sich der Durst später meldet. Hier findest du die Grundlagen, einen Spieltagsplaner und Antworten auf häufige Mythen.

