Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
Eisspeedway (Ice Speedway)
- Art
- Motorsport auf Eis
- Weltverband
- FIM
- Fahrer pro Lauf
- meist 4
- Bremsen
- keine
- Rennorte DACH
- u. a. Inzell
Motorrad auf Eis
Eisspeedway gehört zu den ungewöhnlichsten Sportarten auf Eis. Statt Kufen gibt es Motorräder, statt Schlittschuhen Spikereifen. Gefahren wird auf ovalen Eisbahnen, häufig auf den Bahnen des Eisschnelllaufs oder auf speziell angelegten Ovalen. Die Fahrer fahren dabei immer gegen den Uhrzeigersinn, also in Linkskurven.
Die Spikes
Das wichtigste technische Merkmal sind die Spikes: lange, scharfe Metallstifte, die in großer Zahl in die Reifen geschraubt werden. Sie krallen sich ins Eis und erlauben Schräglagen, bei denen Lenker und Knie fast das Eis berühren. Weil nur in Linkskurven gefahren wird, sitzen auf der linken Reifenseite besonders viele Spikes. Länge und Anzahl sind im Reglement begrenzt.
Damit die Spikes bei Stürzen keine schweren Verletzungen verursachen, haben die Maschinen große Schutzbleche über den Rädern. Die Fahrer tragen außerdem verstärkte Lederkombis mit Schutz an Knie und Hüfte, auf denen sie in den Kurven über das Eis gleiten.
Technik: ohne Bremse
Eisspeedway-Maschinen haben keine Bremsen. Gebremst wird mit dem Motor und durch Querstellen des Hinterrads. Die Motorräder sind leicht und laufen, wie im klassischen Speedway, mit Methanol als Kraftstoff. Statt eines aufwendigen Getriebes sind die Maschinen auf kurze, enge Bahnen ausgelegt. Entscheidend ist der Start: Wer in der ersten Kurve vorn liegt, hat einen großen Vorteil, weil Überholen auf der schmalen Ideallinie schwierig ist.
Das Rennformat
Ein klassischer Lauf, ein sogenannter Heat, wird von vier Fahrern über wenige Runden gefahren. Die Fahrer erhalten Punkte nach ihrer Platzierung. Über eine Reihe von Heats sammeln sie Punkte, die Bestplatzierten treten in Halbfinals und Finals gegeneinander an. Auch Teamwettbewerbe von Nationen werden ausgetragen.
Die Weltmeisterschaft wird vom Motorradweltverband FIM organisiert und besteht aus mehreren Grand-Prix-Rennen in verschiedenen Ländern. Daneben gibt es eine Mannschafts-WM und Europameisterschaften.
Hochburgen
Eisspeedway ist vor allem in Russland, Schweden, den Niederlanden, Deutschland und Österreich verbreitet. Russische Fahrer dominierten den Sport über Jahrzehnte. Seit 2022 sind russische Fahrer nach dem Angriff auf die Ukraine von FIM-Wettbewerben ausgeschlossen, wodurch sich die Kräfteverhältnisse verschoben haben.
In Deutschland ist Inzell einer der traditionsreichsten Austragungsorte, dort wurde Eisspeedway auf der Eisschnelllaufbahn gefahren. In den Niederlanden finden Rennen im Stadion Thialf in Heerenveen statt. Auch in Bayern und Österreich gibt es Vereine mit kleineren Bahnen. Österreichische Fahrer wie Franz Zorn haben bei Weltmeisterschaften Spitzenplätze erreicht.
Verwandte Rennen auf Eis
Neben dem Eisspeedway gibt es weitere Motorsportarten auf Eis. In Zell am See in Österreich wird mit dem GP Ice Race eine Tradition wiederbelebt, die bis in die 1930er-Jahre zurückreicht: Autos und Motorräder fahren dort auf einer Eis- und Schneebahn. In Skandinavien gibt es Eisrennen auf zugefrorenen Seen. Ob ein See befahren werden darf, hängt von der Eisdicke ab, mehr dazu unter Natureis vs. Kunsteis.
Zuschauen und Einstieg
Für Zuschauer ist Eisspeedway ein Spektakel: laut, schnell und mit spritzenden Eissplittern in den Kurven. Rennen finden im Winter statt, in der Regel zwischen Januar und März. Wer selbst fahren will, braucht Erfahrung im Motorsport und eine Lizenz. Einige Vereine bieten Trainings an, in denen Einsteiger die besondere Fahrtechnik lernen.
Häufige Fragen
+Haben Eisspeedway-Motorräder Bremsen?
Nein. Gebremst wird mit dem Motor und durch Querstellen des Hinterrads.
+Warum fallen die Fahrer in den Kurven nicht um?
Lange Metallspikes in den Reifen krallen sich ins Eis und ermöglichen extreme Schräglagen.
+Wo gibt es Eisspeedway in Deutschland?
Inzell ist einer der traditionsreichsten Austragungsorte.
Quellen & weiterführende Links
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Weiterlesen im Lexikon
Hintergrund
Natureis vs. Kunsteis
Natureis entsteht ohne Technik durch Frost, etwa auf Seen oder gefluteten Flächen. Kunsteis wird mit Kältemaschinen erzeugt, die Rohre unter der Eisfläche kühlen. Kunsteis ist planbar und gleichmäßig, Natureis hängt vom Wetter ab, bietet aber besondere Erlebnisse.
Sportart
Eisschnelllauf
Eisschnelllauf ist ein Ausdauer- und Sprintsport auf der 400-Meter-Bahn. Jeweils zwei Läufer starten gegeneinander, entscheidend ist aber die gelaufene Zeit. Die Strecken reichen von 500 bis 10.000 Metern, dazu kommen Teamverfolgung und Massenstart.
Hintergrund
Eis herstellen & Eistemperatur je Sportart
Kunsteis entsteht, indem auf eine gekühlte Betonplatte mit Kühlrohren in vielen dünnen Schichten Wasser aufgetragen wird. Die fertige Eisschicht ist meist nur wenige Zentimeter dick. Je nach Sportart wird das Eis unterschiedlich temperiert: für Eishockey und Eisschnelllauf kälter und härter, für Eiskunstlauf etwas wärmer und weicher.
Hintergrund
Geschichte der Eishallen und Kunsteisbahnen
Jahrhundertelang war Eissport an Natureis und kalte Winter gebunden. 1876 eröffnete in London mit dem Glaciarium die erste Kunsteisbahn. Seitdem machten Kältetechnik, überdachte Hallen und moderne Arenen Eissport zu jeder Jahreszeit und an fast jedem Ort möglich.
Sportart
Eis & Technik
Alles über Eis & Technik: Regeln, Geschichte, Zahlen und alle Begriffe.

