Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
Wertungssystem im Eiskunstlauf (IJS, GOE, PCS)
- Sportart
- Eiskunstlauf
- Name
- ISU Judging System (IJS)
- Eingeführt
- Saison 2004/05
- Vorgänger
- 6,0-System
- GOE-Skala
- −5 bis +5
- Gremium
- Preisgericht + technisches Panel
Von der 6,0 zum Punktesystem
Bis 2004 vergaben Kampfrichter im Eiskunstlauf Noten bis maximal 6,0, aus denen eine Platzziffer ermittelt wurde. Das System war relativ: Es zählte nur, wer vor wem lag. Nach dem Skandal im Paarlauf bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City entwickelte die ISU ein neues, punktbasiertes System, das ISU Judging System (IJS). Seit der Saison 2004/05 ist es verbindlich.
Die Formel
Gesamtpunktzahl = Technischer Wert (TES) + Programmkomponenten (PCS) − Abzüge
Kurzprogramm und Kür werden getrennt bewertet und am Ende addiert.
Technischer Wert (TES)
Jedes Element, also jeder Sprung, jede Pirouette, Schrittfolge oder Hebung, hat einen festgelegten Basiswert aus der „Scale of Values“ der ISU. Ein Dreifach-Axel bringt deutlich mehr als ein Doppel-Axel, ein Vierfach-Lutz mehr als ein Vierfach-Toeloop.
Das technische Panel (Technischer Spezialist, Assistent und Controller) identifiziert die Elemente und legt bei Pirouetten und Schrittfolgen das Level (Basis bis Level 4) fest. Es prüft per Videowiederholung auch, ob Sprünge ausreichend rotiert sind.
Die Kampfrichter vergeben anschließend für jedes Element eine GOE (Grade of Execution) von −5 bis +5. Positive Kriterien sind etwa Höhe und Weite, mühelose Landung oder ein kreativer Einsprung. Die höchste und niedrigste GOE werden gestrichen, aus den übrigen wird der Mittelwert gebildet. Jede GOE-Stufe verändert den Basiswert um 10 Prozent.
Programmkomponenten (PCS)
Die Programmkomponenten bewerten das Gesamtbild. Seit 2022 gibt es drei Komponenten:
- Komposition: Aufbau, Raumnutzung und Struktur des Programms.
- Präsentation: Ausdruck, Projektion und Interpretation der Musik.
- Eislauffähigkeiten: Kantenqualität, Tempo, Fluss und Mühelosigkeit.
Jede Komponente wird auf einer Skala bis 10 bewertet und mit einem Faktor multipliziert, der je nach Disziplin und Programmteil unterschiedlich ist.
Abzüge und Boni
- Stürze: mindestens ein Punkt Abzug pro Sturz, bei wiederholten Stürzen mehr.
- Zeitüberschreitung, Musikverstöße, Kostümverstöße führen ebenfalls zu Abzügen.
- Unterrotation: Ist ein Sprung nicht vollständig rotiert, markiert das technische Panel ihn (je nach fehlender Rotation mit „q“, „<“ oder „<<“), und er wird abgewertet.
- Falsche Kante: Beim Flip oder Lutz wird ein „e“ vergeben (siehe Sprungarten).
- Bonus: Im Einzellauf erhalten die letzten Sprungelemente eines Programms (im Kurzprogramm das letzte, in der Kür die letzten drei) einen Zuschlag von 10 Prozent auf den Basiswert, sofern sie in der zweiten Programmhälfte gesprungen werden.
Die Kiss-and-Cry-Area
Nach dem Lauf warten Athleten mit ihren Trainern in der Kiss and Cry auf die Punkte. Der Name beschreibt die Gefühle, die dort oft offen gezeigt werden. Auf der Anzeigetafel erscheinen TES, PCS, Abzüge und die Platzierung. Detaillierte Protokolle mit jeder einzelnen GOE veröffentlicht die ISU nach jedem Wettbewerb öffentlich.
Häufige Fragen
+Was bedeutet GOE im Eiskunstlauf?
Grade of Execution: die Ausführungsnote eines Elements von −5 bis +5. Sie erhöht oder senkt den Basiswert um einen festen Prozentsatz.
+Wie viele Punkte kostet ein Sturz?
Ein Sturz wird mit einem Abzug von mindestens einem Punkt bestraft, zusätzlich erhält das Element die schlechteste GOE. Wiederholte Stürze werden höher bestraft.
+Warum gibt es keine 6,0 mehr?
Nach dem Bewertungsskandal bei den Olympischen Spielen 2002 ersetzte die ISU das relative 6,0-System durch ein punktbasiertes System, in dem jedes Element einzeln bewertet wird.
Quellen & weiterführende Links
- ISU – Figure Skating Rules & Communications
- International Skating Union
- Wikipedia: ISU-Wertungssystem
Redaktionell recherchiert und gegen Verbands- und Regelwerksangaben geprüft. Fehler gefunden? Schreib uns über die Kontaktseite.
Weiterlesen im Lexikon
Fachbegriff
Sprungarten im Eiskunstlauf: Axel, Lutz, Flip & Co.
Im Eiskunstlauf gibt es sechs Grundsprünge: Toeloop, Salchow, Rittberger, Flip, Lutz und Axel. Sie unterscheiden sich im Absprung, also ob mit Hilfe des Zackens (Tippsprung) oder von der Kante (Kantensprung). Gelandet wird fast immer rückwärts auf dem rechten Fuß (bei Linksdrehern).
Sportart
Eiskunstlauf
Eiskunstlauf verbindet Athletik und Ausdruck: Läufer zeigen zur Musik Sprünge, Pirouetten und Schrittfolgen, die von einem Preisgericht nach dem ISU-Wertungssystem bewertet werden. Olympische Disziplinen sind Einzellauf, Paarlauf, Eistanz und der Teamwettbewerb.
Disziplin
Eistanz
Eistanz ist eine olympische Disziplin des Eiskunstlaufs, in der ein Paar zu Musik vor allem Schrittfolgen, Tanzhaltungen, Twizzles und kurze Hebungen zeigt. Anders als im Paarlauf gibt es keine Wurfsprünge und keine Mehrfachsprünge.
Disziplin
Paarlauf
Paarlauf ist eine olympische Eiskunstlauf-Disziplin für eine Frau und einen Mann. Typisch sind spektakuläre Elemente wie Überkopfhebungen, Wurfsprünge, Twist-Lifts und die Todesspirale, dazu synchron gesprungene Einzelsprünge.

